Dropshipping ist ein Handelsmodell, bei dem du Produkte verkaufst, ohne sie jemals selbst zu lagern. Du betreibst den Shop, machst die Werbung und übernimmst den Kundenkontakt. Der Lieferant hält die Ware vorrätig, verpackt sie und schickt sie direkt an deinen Kunden. Eingekauft wird erst, wenn die Bestellung schon bezahlt ist. Damit fallen Lagermiete, Vorfinanzierung und unverkaufte Restbestände weg, und der Kapitalbedarf zum Start sinkt auf wenige hundert Euro.
Genau das macht den Begriff so populär und gleichzeitig so missverständlich. Dropshipping ist kein Geschäftsmodell für sich, sondern eine Entscheidung über die Logistik. Verkauft wird trotzdem über Marketing, und in Deutschland läuft dieser Verkauf fast immer über Paid Social, Google und organischen Content. Wer Dropshipping nur über günstige Ware denkt, verbrennt Werbebudget. Wer es über Zielgruppe, Angebot und Kanal denkt, hat eine reale Chance auf Marge. Die Eintrittshürde ist niedrig, der Wettbewerb entsprechend hoch, und deshalb entscheidet allein die Qualität der Umsetzung. Genau darum lohnt sich ein nüchterner Blick auf Ablauf, Kosten, Recht und die Fehler, die am meisten Geld kosten.

Wie Dropshipping technisch funktioniert
Der Ablauf ist immer derselbe. Ein Kunde bestellt in deinem Shop und bezahlt den Verkaufspreis. Die Bestellung wandert automatisch an den Lieferanten, du zahlst dort den Einkaufspreis, und der Lieferant versendet neutral verpackt an deine Kundenadresse. Du siehst die Ware nie. Technisch steckt dahinter ein Shopsystem plus eine Fulfillment-Schnittstelle: Shopify mit DSers, CJ Dropshipping oder AutoDS, alternativ WooCommerce mit einer vergleichbaren Anbindung.
Die laufenden Fixkosten sind überschaubar. Shopify Basic liegt bei rund 27 Euro pro Monat im Jahrestarif, eine Domain kostet 10 bis 20 Euro im Jahr, die Fulfillment-App oft 20 bis 50 Euro monatlich. Dazu kommen variable Gebühren: Shopify Payments nimmt für europäische Karten etwa 1,9 Prozent plus 0,25 Euro pro Transaktion, PayPal in Deutschland rund 2,49 Prozent plus 0,35 Euro. Realistisch startest du also mit 300 bis 800 Euro Setup, bevor der erste Euro Werbebudget fließt. Wichtig ist der Neutralversand: Der Lieferant legt keine eigene Rechnung und keine fremde Werbung bei, sonst steht deine Marke schon beim Auspacken infrage.
Warum Dropshipping ohne Performance Marketing nicht läuft
Für ein No-Name-Produkt sucht niemand aktiv bei Google. Nachfrage musst du selbst erzeugen, und dafür brauchst du Reichweite auf Instagram, TikTok, Facebook und YouTube. Genau deshalb ist Dropshipping in der Praxis fast immer ein Werbespiel und kein Logistikspiel. Eine erfahrene Performance Marketing Agentur rechnet hier nicht in Klicks, sondern in Deckungsbeitrag pro Bestellung.
Die Benchmarks im deutschen Markt sind halbwegs stabil. Auf Meta liegen die CPM je nach Zielgruppe und Saison bei 5 bis 15 Euro, im Q4 auch deutlich darüber. Die Klickrate im Feed pendelt zwischen 0,8 und 2 Prozent, der CPC damit bei 0,40 bis 1,20 Euro. TikTok ist im Einkauf günstiger, häufig 3 bis 8 Euro CPM, dafür ist die Kaufabsicht schwächer. Ein sauber gebauter Shop konvertiert 1 bis 3 Prozent der Besucher. Wer diese vier Werte kennt, kann seine Zahlen vorher durchrechnen, statt hinterher zu raten. Für die Kanalwahl lohnt der Blick auf eine spezialisierte TikTok Agentur oder eine Meta Ads Agentur.

Diese Zahlen entscheiden beim Dropshipping über Gewinn
Die wichtigste Kennzahl ist der Break-even-ROAS. Er sagt dir, wie viel Umsatz ein Euro Werbebudget bringen muss, damit du bei null landest. Die Formel ist simpel: 1 geteilt durch deine Deckungsbeitragsquote. Ein Beispiel aus der Praxis. Du verkaufst ein Produkt für 39,90 Euro inklusive Versand, zahlst 9 Euro im Einkauf, 4 Euro Fracht, rund 1,25 Euro Zahlungsgebühr und kalkulierst 6,40 Euro Umsatzsteueranteil heraus.
Dann bleiben etwa 19 Euro Deckungsbeitrag, also gut 57 Prozent vom Nettoumsatz. Dein Break-even-ROAS liegt bei rund 1,75, dein maximal erlaubter Preis pro Bestellung bei 19 Euro. Kostet dich eine Bestellung 24 Euro, verlierst du bei jedem Verkauf Geld, egal wie gut das Video aussieht. Zwei Hebel helfen: Warenkorb hoch über Bundles und Mengenrabatte, Kosten runter über bessere Creatives. Eine Faustregel aus vielen Accounts: unter dreifacher Spanne zwischen Einkauf und Verkauf wird Dropshipping in Deutschland selten profitabel. Plane außerdem ein Testbudget von 30 bis 50 Euro pro Tag und Produkt ein, sonst sammelt die Kampagne zu wenige Daten für eine belastbare Entscheidung.
Produktauswahl und Lieferanten in der Praxis
Gute Produkte lösen ein sichtbares Problem, lassen sich in fünf Sekunden Video zeigen und liegen im Verkauf zwischen 25 und 80 Euro. Darunter frisst der Werbedruck die Marge, darüber steigt die Hemmschwelle beim Impulskauf. Finger weg von Artikeln, die es in jedem Drogeriemarkt gibt, und von allem, was schwer, zerbrechlich oder erklärungsbedürftig ist. Elektronik mit Akku, Kosmetik und Kinderartikel bringen zusätzliche Prüfpflichten mit sich.
Beim Lieferanten zählt Versandzeit mehr als der Cent im Einkauf. Direkt aus China dauert die Lieferung meist 10 bis 25 Tage, aus einem EU-Lager 2 bis 5 Tage. Der Unterschied schlägt direkt auf Retourenquote, Support-Aufwand und Bewertungen durch. Bestell jedes Produkt einmal selbst, prüfe Verpackung, Beipackzettel und Beilagen, und kläre vorab, wer Fehlsendungen ersetzt. Ein zweiter Lieferant als Backup ist Pflicht, sobald ein Produkt anläuft und du planbar skalieren willst. Sonst steht dein bestes Angebot ausgerechnet dann still, wenn die Kampagne endlich Fahrt aufnimmt.

Rechtliche Pflichten in Deutschland
Du bist Händler, nicht Vermittler. Rechtlich haftest du gegenüber deinem Kunden für Lieferung, Gewährleistung und Produktsicherheit, auch wenn du die Ware nie gesehen hast. Ein Gewerbe meldest du für 20 bis 65 Euro beim Gewerbeamt an. Pflicht sind ein vollständiges Impressum, eine Datenschutzerklärung, AGB, Widerrufsbelehrung samt Muster-Formular und die 14-tägige Rückgabefrist. Preise gibst du als Endpreise inklusive Umsatzsteuer und mit Versandkostenangabe an.
Dazu kommen Pflichten, die viele Einsteiger übersehen. Die GPSR verlangt seit Ende 2024 einen Verantwortlichen in der EU auf jedem Produkt, sonst darfst du im EU-Markt nicht verkaufen. Verpackungen musst du bei LUCID registrieren, Elektrogeräte nach ElektroG und Batterien separat melden. Bei Import aus Drittländern fallen Einfuhrumsatzsteuer und ab 150 Euro Warenwert Zoll an. Die Kleinunternehmerregelung greift bis 25.000 Euro Vorjahresumsatz, ist aber selten sinnvoll, weil dir dann der Vorsteuerabzug auf Werbekosten fehlt. Verkaufst du ins EU-Ausland, meldest du dich am besten früh für das One-Stop-Shop-Verfahren an.
Typische Fehler beim Dropshipping
Der häufigste Fehler ist zu wenig Marge. Wer ein Produkt für 12 Euro einkauft und für 24 Euro verkauft, hat nach Gebühren und Steuer kaum 6 Euro übrig und kann damit auf Meta keine Bestellung kaufen. Der zweite Klassiker ist fehlendes Tracking. Ohne Pixel, Conversions API und saubere Ereignisse bekommt der Algorithmus zu wenig Signale, und die Kosten pro Kauf steigen nach wenigen Tagen deutlich an.
Fehler drei ist Schweigen über Lieferzeiten. Wer 14 Tage Versand verschweigt, produziert Rückbuchungen, und ab etwa einem Prozent Chargebacks sperren Zahlungsanbieter das Konto. Fehler vier ist zu frühes Skalieren: Ein Tag mit drei Verkäufen ist kein Beweis, sondern Zufall. Und Fehler fünf ist die fehlende Marke. Wiederkäufe, Newsletter und organische Reichweite entscheiden über den zweiten Deckungsbeitrag, den dich keine Auktion kostet. Genau daran arbeitet eine gute Social Media Agentur von Anfang an mit.

Fazit
Dropshipping senkt die Einstiegshürde in den Onlinehandel, aber es senkt nicht den Anspruch an Marketing, Kalkulation und Rechtssicherheit. Wer eine Spanne von mindestens dem Dreifachen ansetzt, den Break-even-ROAS vor dem ersten Werbeeuro kennt, kurze Lieferwege wählt und seine Pflichten als Händler ernst nimmt, hat ein tragfähiges Modell. Wer ein Video kopiert und auf Glück hofft, zahlt Lehrgeld an die Auktion. Der Unterschied liegt nicht im Produkt, sondern in der Rechnung dahinter und in der Qualität der Creatives. Sinnvoll ist Dropshipping vor allem als Testphase: Du prüfst mit wenig Kapital, ob ein Angebot zieht, und wechselst danach auf eigenes Lager oder einen Fulfillment-Dienstleister in der EU. Dann sinken Lieferzeit und Retourenquote, die Marge steigt, und aus dem Testshop wird eine Marke mit Wiederkäufern. Wenn du Dropshipping professionell angehen willst, meld dich gerne. Über unsere Kontakt-Seite kannst du jederzeit eine unverbindliche Anfrage stellen.

